Google und WLAN: Viel Lärm um Nichts

Dieser Beitrag wurde vor 6 Jahren, 10 Monaten veröffentlicht und ist daher möglicherweise nicht mehr auf den neuesten Stand.

In den vergangenen Tagen gab es viel über Google zu lesen.
Nachdem der Mensch nur gerne Gerüchte, Verschwörungstheorien und prinzipiell schlechte Nachrichten hören mag, wird auch nur über das Problem „Google und WLAN“ berichtet.

Am 14. Mai 2010 gab Google bei einer Überprüfung als Erster bekannt (Google hat es als Erster bekannt gegeben und nicht irgendjemand anderer), dass die Software unbeabsichtig auch Verkehrsdaten (und nicht nur die Basic Informationen) von offenen WLAN-Netzwerken mitsammelt.

Der Hintergrund:
Die Google StreetView Cars wurden mit WLAN Antennen ausgestattet, um die verfügbaren drahtlosen Netzwerke in der Umgebung ausfindig zu machen.
Dabei werden die SSID (sozusagen der Name von den Funknetz) und die MAC Adresse (eindeutige externe Nummer zur Identifikation) abgespeichert.
Dies ist durchaus legal, andere Firmen machen das gleiche. Das ist für die GeoLeocation Funktion gedacht, statt GPS (welches mehr Strom frisst und auch länger braucht), kann man somit auch die WLAN Informationen verwenden.
Jede private Person kann -sofern die Signalstärke überhaupt ausreicht- auf der Straße diese Informationen feststellen, ganz legal!

Worum es hier geht ist, dass die Software sich mit offenen drahtlosen Netzwerken verbunden hat (also nicht nur die SSID und MAC-Adresse, sondern hat sich vollständig verbunden) und dabei Daten gesammelt hat.
Hier stellt sich jedoch die Frage, welche Daten man hier gesammelt hat, denn welche will man hier sammeln können? – Man spricht immer davon, dass man den E-Mail Verkehr „abgehört“ hat. Damit das aber möglich ist, müsste ein Trojaner oder Virus/Wurm am Rechner aktiv sein, jedoch ist das nicht der Fall. Also wie soll diese Software den Datenverkehr wirklich „abgehört“ haben. Was die Software in diesem Fall maximal „anrichten“ könnte, ist es im Internet zu surfen.
Und auch das ist legal (Dazu kommen wir weiter unten).

Technisch gesprochen:
Aber sehen wir uns das ganze mal technisch an, wieviele Daten (selbst wenn ein Trojaner, oder ähnliches aktiv gewesen wäre) hier wirklich gesammlt werden könnten.
Fast keine, da zuviele Störfaktoren vorhanden sind:

    • Die Software wechselte innerhalb einer Sekunde den Channel 5 mal, sprich: die Software war nicht einmal eine Viertel Sekunde mit dem WLAN Router verbunden, also sehr kurz
    • Die Entfernung und die Signalstärke spielen eine wichtige Rolle, die meisten WLAN Router stehen in Wohnungen, dessen Signal kaum/garnicht bis zur Straße reichen und selbst wenn wäre die Downloadrate sehr gering aufgrund der Entfernung
    • Es handelt sich um ein fahrendes Auto

Wenn man nun diese Faktoren zusammenzählt und wenn man nun davon ausgeht, dass man sich wirklich mit Hilfe eines Trojaners (was aber nicht der Fall ist) auf den Computer reinhacken könnte (um „E-Mail Verkehr“ zu lesen), könnte man nicht einmal ein einziges Mail „herunterladen“.
Rein technisch gesprochen, fällt die Verschwörungstheorie, dass man E-Mails oder anderen Internetverkehr „mitlesen“ konnte, ins Wasser. Die Daten die innerhalb dieser kurzen Zeit und aus dieser Entfernung „gelesen“ werden konnten, sind unbrauchbar.

Es ist NICHT Illegal sich mit offenen Netzwerken zu verbinden, oder darüber zu surfen:
Da man immerwieder von „Hacking“ spricht und wie böse das ganze ist, sollte man auch mal darüber aufklären, wie es wirklich ist.
Jeder, der einen eigenen WLAN Router besitzt oder betreibt, ist dafür selbst verantwortlich.
Es gibt zwei Merkmale bei Routern: Öffentlich (nicht verschlüsselt) und Privat (verschlüsselt).
Wenn jemand auf der Straße mit seinen Smartphone oder Notebook steht und einen nicht verschlüsselten WLAN Router sieht, muss davon ausgehen dass dieser Öffentlich ist und er sich damit verbinden darf.
Wer nicht möchte, dass fremde Personen seinen Router verwenden, muss sich darum kümmern, dass er verschlüsselt ist.
Weiters besteht die Möglichkeit seinen Router zu verstecken, somit würde nicht mal mehr die SSID und/oder die MAC-Adresse angezeigt werden.
Jedoch sind diese Maßnahmen vom USER/BESITZER des Routers zu tätigen. Wenn also Google sich mit offenen WLAN-Netzen verbunden hat, dann war dies noch immer legal. Leider sind die meisten Besitzer einfach nur zu faul sich ihren eigenen Router einzustellen, dennoch ist der Besitzer dafür selbst verantwortlich, wenn jemand anderer sich mit seinen öffentlichen Router verbinden und Blödsinn betreibt.

Berichterstattung ist derzeit unter Aller Sau:
Trotz dieser technischen Limitationen, gehen die meisten Berichterstatter wieder auf Google los.
Anderer Firmen, die schon seit fast einen Jahrzehnt WIFI/WLAN Daten sammeln, anderer Firmen die auch schon seit Jahren ihr „eigenes StreetView“ haben, ist ihnen egal, die sind nicht „böse“, die „dürfen das“, aber sobald Google so etwas macht, ist es gleich einmal „böse“ und muss verboten werden.

Und wenn schon nicht die Berichterstattung total versagt, so versagen doch die Leser. Ein Beispiel? – Im Februar 2010 wurde darüber berichtet (in der Überschrift), dass sich Google und der US-Geheimdienst NSA verbünden.
Seit diese Meldung in diversen Medien geposted wurde, denken alle Leser nur „Meine Daten werden an die NSA geschickt“, sämtliche Leser glauben nun tatsächlich, dass dies der Fall ist.
Aber dies ist nur ein klarer Beweis dafür, dass Leser nur die Überschriften (eventuell noch den ersten Absatz), aber nicht den ganzen Artikel, oder gar die Quelle lesen. Denn sonst wäre den Lesern klar, dass keine Userdaten von Google an die NSA übertragen wurden.
Es geht hier um die Hackangriffe aus China, die Anfang des Jahres gegen Google gingen. Die NSA hilft bei den Ermittlungen dieser Angriffe, ist das gleiche, als wie wenn man hier zu Lande zu den Behörden wegen Hackangriffe gehen würde.

In vielen Fällen versagt die Berichterstattung, berichtet entweder nicht vollständig, sodass man sich die Geschichte „selbst ausdenken“ muss, oder manchmal denken sich Berichterstatter tatsächlich eine eigene Geschichte aus, die aber von den Tatsachen weit entfernt sind.
Wie schon weiter oben erähnt haben viele andere Firmen änhliche Dienste angefangen und haben nicht diese Probleme wie es Google hat.
Google revolutioniert das Internet mit ihren Diensten, jedoch sind einige dermaßen neidisch, dass sie nur einen schlechten Ruf über Google verteilen wollen, es ist reines Google-Bashing und es steckt nichts hinter dieser Verschwörungstheorien.

Und was das WLAN-Debakel angeht: Viel Lärm um Nichts!

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